Jedes Jahr im Juli erobert eine weltweite Bewegung Küchen, Cafés, Schulen und Büros in 190 Ländern. Die Herausforderung ist simpel: Einen Monat lang auf Einwegplastik verzichten. Wie sich herausstellt, sind die Auswirkungen alles andere als gering.
Das ist die Idee hinter Plastic Free July, einer weltweiten Bewegung, die sich zu einer der bekanntesten Umweltkampagnen der Welt entwickelt hat. Falls du noch nie davon gehört hast, findest du hier eine Einführung.
Wie alles begann
Plastic Free July wurde 2011 von Rebecca Prince-Ruiz in Westaustralien ins Leben gerufen. Nachdem sie jahrelang in der Abfallwirtschaft tätig gewesen war, hatte zunehmend Bedenken wegen der unglaublichen Menge an Plastik, die auf Deponien landete. Also bat sie vierzig ihrer Freund*innen, etwas Einfaches auszuprobieren: im Juli auf Einwegplastik zu verzichten.
Aus vierzig wurden vierhundert, aus vierhundert wurden viertausend und mehr… Im Jahr 2017 wurde die Plastic Free Foundation als australische Wohltätigkeitsorganisation eingetragen, um das Projekt zu unterstützen, das längst über die Basisinitiative hinausgewachsen war.
Rebecca selbst ist seit über drei Jahrzehnten in den Bereichen Umweltmanagement, Abfallvermeidung und Verhaltensänderung tätig und hat an Forschungsexpeditionen zur Plastikverschmutzung im Pazifik, Atlantik und Indischen Ozean teilgenommen. Sie ist Mitautorin eines Buches über die von ihr ins Leben gerufene Bewegung und wurde 2023 für ihren Beitrag zum Naturschutz zum Mitglied des Order of Australia ernannt. Dennoch beschreibt sie ihre Arbeit nach wie vor in einfachen Worten: unsere Beziehung zu Plastik zu verändern – eine Entscheidung nach der anderen.
Die Idee ist einfach

Photo credit: Plastic Free July – Pawai Bebas Plastik, Indonesia
Verzichte einen Monat lang auf Einwegplastik. Die Dinge, die uns täglich in die Hand gedrückt werden, wie Becher, Plastiktüten, Strohhalme, Verpackungen und Besteck, die nach einer Mahlzeit weggeworfen werden. Wer sie einmal bewusst wahrnimmt, kann sich anders entscheiden.
Ausserdem kannst du selbst entscheiden, wie weit du dich engagieren möchtest: „Plastic Free July“ verlangt nicht, von heute auf morgen komplett auf Plastik zu verzichten. Manche nehmen die Herausforderung voll und ganz an und verzichten den ganzen Monat lang auf jegliches Einwegplastik, während andere mit den sogenannten „Big 4“ der Kampagne beginnen – also Plastiktüten, Einweg-Kaffeebecher, Plastikstrohhalme und Plastikwasserflaschen. Beide Ansätze sind sinnvoll.
Bei dieser Kampagne geht es nicht um Perfektion, sondern darum, das Bewusstsein zu schärfen. Wenn man erst einmal anfängt, nach Plastik zu suchen, sieht man es überall – und das ist der erste Schritt, um etwas dagegen zu unternehmen.
Warum ausgerechnet der Juli?
Der Juli ist nichts Besonderes, denn der Monat an sich hat nichts Magisches an sich. Aber ein gemeinsamer, fester Termin im Kalender sorgt für eine kollektive Dynamik.
Wenn Millionen von Menschen gleichzeitig dasselbe tun, verbreitet sich die Idee ganz von selbst. Kolleg*innen fordern sich gegenseitig heraus, Familien tauschen Erfahrungen aus, Cafés bringen Schilder an ihren Theken an, Schulen starten Kampagnen, Gemeinden organisieren Veranstaltungen – all das sorgt dafür, dass individuelles Handeln langsam wie etwas viel Grösseres wirkt und sich auch so anfühlt, als wäre es mehr als nur der Umstieg einer einzelnen Person.
Ein ganzer Monat bietet Gelegenheit für Entdeckungen – zum Beispiel, dass man im Lieblingscafé gerne wiederverwendbare Becher mitbringen darf oder dass es in der Nähe des Arbeitsplatzes einen Laden gibt, in dem man Waren unverpackt kaufen kann. Diese Entdeckungen bleiben meist haften, sodass die daraus entstehenden Gewohnheiten oft über den Monat hinaus Bestand haben.
Was du konkret tun kannst

Photo credit: Plastic Free July – Party Kit Network; The Ballina Library Reusable Party Kit
Die Teilnahme am „Plastic Free July“ ist kostenlos. Du besuchst die Website von Plastic Free July, gibst dein Versprechen ab und entscheidest, für welche Stufe du dich verpflichtest. Von da an bietet dir die Kampagne eine riesige Auswahl an praktischen Ideen und Ressourcen – von Alternativen für deine Küche über Tipps für das Essen ausser Haus und Leitfäden für den Arbeitsplatz bis hin zu Toolkits für Schulen und unzähligen Ideen für die Organisation von Gemeinschaftsveranstaltungen.
Einige der gängigsten Ansatzpunkte Dazu gehört, bei jedem Einkauf eine wiederverwendbare Tasche mitzubringen, eine Wasserflasche dabei zu haben, damit man nie eine Plastikflasche kaufen muss, unverpacktes Obst und Gemüse dem verpackten vorzuziehen und Nein zu einem Strohhalm zu sagen, bevor dieser in das Getränk gelangt. Für all das braucht man weder ein spezielles Geschäft noch ein grosses Budget.
Warum gerade Einwegplastik?

Trash Hero Yogyakarta
Warum konzentriert sich die Aktion ausgerechnet auf Einwegartikel, obwohl es doch so viele verschiedene Kunststoffe auf der Welt gibt?
Einwegplastik ist der sichtbarste, am leichtesten vermeidbare und absurdeste Aspekt dieser Krise. Wie der Filmemacher Jeb Berrier es formulierte: „Warum sollte man etwas, das man nur ein paar Minuten lang benutzt, aus einem Material herstellen, das im Grunde ewig hält, und es dann einfach wegwerfen? Was soll das denn?“
Ein Plastikstrohhalm wird etwa zwanzig Minuten lang benutzt, eine Plastikwasserflasche vielleicht eine Stunde, eine Plastiktüte oft nur so lange, wie man vom Laden nach Hause braucht. Und doch werden sie alle jeden Menschen überdauern, der heute lebt. Sie zerfallen in immer kleinere giftige Teilchen, die in den Boden, ins Wasser, in die Nahrungsketten und in unsere Körper gelangen. Sie tauchen in den Mägen von Meeresschildkröten, in den Lungen von Vögeln und zunehmend auch im menschlichen Blut, in der Muttermilch und in der Plazenta auf. Ihre Produktion aus fossilen Brennstoffen nimmt zu. Klimakollaps und die Zerstörung ganzer Gemeinschaften und Ökosysteme.
Bei den wöchentlichen Trash Hero Cleanups tauchen immer wieder dieselben Gegenstände auf: Plastikflaschen, kleine Säckchen, Strohhalme, Tüten, Lebensmittelverpackungen. Allein im Jahr 2025 sammelten unsere Freiwilligen bei 2’074 Cleanups 115,2 Tonnen Abfall ein, wobei Einwegplastik den überwiegenden Teil davon ausmachte. Einen umfassenden Überblick gibt unser 2025 Jahresbericht
Jede Flasche und jede Verpackung, die wir aufsammeln, erzählt dieselbe Geschichte: Etwas, das kurz genutzt und dann liegen gelassen wurde, damit sich jemand anderes darum kümmert – oft erst Jahrzehnte oder Jahrhunderte später. Einwegplastik ist keine Erleichterung. Es ist eine Belastung, die auf die Umwelt, auf Gemeinschaften ohne die nötige Infrastruktur zur Bewältigung dieses Problems und auf zukünftige Generationen abgewälzt wird, die nie darum gebeten haben.
Wie sieht es mit dem grossen Ganzen aus?

Photo credit: Plastic Free July – bRU Coffee
Wir wissen, dass individuelles Handeln allein ein systemisches Problem nicht lösen kann, und Plastic Free July gibt auch nicht vor, dass dies der Fall wäre. Die Unternehmen, die jedes Jahr Milliarden von Einwegartikeln aus Plastik herstellen, tragen eine Verantwortung, die durch noch so viele wiederverwendbare Becher nicht ausgeglichen werden kann.
Doch oft entsteht systemischer Druck gerade durch das Bewusstsein einzelner Menschen. Wenn genügend Leute anfangen zu fragen, warum ihr Salat in einem Einweg-Plastikbehälter serviert wird oder warum ihr Shampoo nicht in einer nachfüllbaren Flasche erhältlich ist, erreichen diese Fragen schliesslich diejenigen, die die Macht haben, anders darauf zu reagieren. Das Verhalten der Verbraucher*innen sendet Signale aus, Kampagnen sorgen für Sichtbarkeit, Sichtbarkeit erzeugt Druck, und dieser Druck verändert im Laufe der Zeit, was hergestellt und wie es verkauft wird.
befindet sich an der Schnittstelle zwischen persönlichen Gewohnheiten und öffentlicher Rechenschaftspflicht. Die Initiative fordert dich nicht dazu auf, das System im Alleingang zu reformieren, sondern Teil eines kulturellen Wandels zu sein, der eine Reform des Systems wahrscheinlicher macht.
Was das für Trash Hero bedeutet

Trash Hero Gili Meno
Bei Trash Hero beginnen wir damit, den Plastikmüll zu beseitigen, der bereits in der Umwelt liegt. Wir wissen aber auch besser als die meisten anderen, dass das Aufräumen allein nicht die Lösung ist. Es kommt immer wieder neuer Plastikmüll hinzu, weil die Produktion weiterläuft und weil Gemeinschaften auf der ganzen Welt mit der Entsorgung von Abfällen konfrontiert sind, die nie für eine sichere Entsorgung konzipiert wurden.
Plastic Free July knüpft an unsere ganzjährige Arbeit zur Verhaltensänderung an. Jedes Stück Einwegplastik, auf das im Juli verzichtet wird, ist ein Stück weniger, das an einem Strand, in einem Fluss oder in einem Deponiefeuer landet. Jede Person, die sich dieser Herausforderung stellt, kann diese Gewohnheit auch im August, September und darüber hinaus beibehalten. Jedes Gespräch, das durch die Kampagne angeregt wird, ist ein Gespräch darüber, was wir tatsächlich produzieren, warum wir das tun und ob es einen besseren Weg gibt.
In diesem Juli möchten wir unsere Community dazu ermutigen, beides zu tun: den vorhandenen Müll zu beseitigen und den anfallenden Abfall zu reduzieren. Nimm an einem Trash Hero Cleanup in deiner Nähe teil und stell dich dabei gleich der Plastic Free July-Herausforderung.
Denn die Plastikkrise lässt sich nicht einfach wegputzen. Es muss erst einmal damit aufgehört werden, Plastik herzustellen.
Erste Schritte
Die Teilnahme ist kostenlos und die Einrichtung dauert etwa zwei Minuten. Gehe zu plasticfreejuly.org, gib dein Versprechen ab und wähle deine Stufe aus. Die Website bietet zahlreiche praktische Ideen für jeden Alltagskontext: zu Hause, bei der Arbeit, in der Schule, bei Veranstaltungen und in deiner Nachbarschaft.
Wenn du noch einen Schritt weiter gehen möchtest, teile die Herausforderung mit jemand anderem. Eine Kampagne hat immer mehr Wirkung, wenn die Menschen gemeinsam daran teilnehmen, statt alleine.
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