Wenn das System versagt, bricht Feuer aus

by Fayrouz on 1. Mai 2026 No comments

Was würdest du tun, wenn der Abfall in deiner Gegend nicht rechtzeitig abgeholt würde?

Ein Tag vergeht und es fängt an zu stinken. Eine Woche vergeht und es zieht Ungeziefer und streunende Tiere an. Wenn es regnet, verstopft er die Abflüsse und verbreitet Krankheiten. Man kann Abfall nicht unbegrenzt lagern und ihn nicht einfach ignorieren.

Was würdest du also tun?

Für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt ist dies keine hypothetische Frage. Es ist die tägliche Realität, mit der sie konfrontiert sind und angesichts all der Einschränkungen des Systems, das sie umgibt, ist die einfachste Antwort, den Abfall zu verbrennen.


Den Abfall verschwinden lassen

In vielen Gegenden gehört das Verbrennen von Abfall zum Alltag, so selbstverständlich wie das Kochen oder das Staubsaugen. Weltweit haben rund 2.7 Milliarden Menschen überhaupt keinen Abfallentsorgungsdienst. Wenn es keine Mülltonnen gibt, die man befüllen kann, wenn kein Müllwagen kommt, wenn es kein System gibt, welches das Problem beseitigt, sammelt sich der Abfall schnell an und dieser Abfallberg bringt ganz konkrete, sehr gravierende Folgen mit sich: verfaulende Lebensmittel, Insekten, verstopfte Abflüsse, die Ausbreitung von Krankheiten. Das Verbrennen löst diese Probleme schnell, zumindest oberflächlich betrachtet. Das ist kein leichtsinniges Verhalten oder Unwissenheit. Es ist die Realität, aus einer sehr kurzen Liste die am wenigsten schlechte Option wählen zu müssen.


Ein globales Problem

Das Verbrennen von Müll im Freien ist nicht auf eine bestimmte Region oder Gesellschaft beschränkt. Es ist eine weltweite Reaktion auf ein weltweites Problem: zu viel Plastik, grösstenteils Einwegartikel, ohne dass klar ist, wo sie letztendlich landen.

Laut der „World Risk Poll 2024“ der Lloyd’s Register Foundation ist die offene Verbrennung in Ostafrika am weitesten verbreitet, wo 41 % der Haushalte diese Methode als primäre Form der Abfallentsorgung nutzen, gefolgt von Zentral- und Westafrika mit 34 % und Südostasien mit 32 %. In Indonesien liegt dieser Wert mit 48 % sogar noch über all diesen regionalen Durchschnittswerten. Fast die Hälfte der Haushalte gaben an, ihren Abfall zu verbrennen, obwohl das Verbrennen im Freien gesetzlich verboten ist. In ländlichen Gemeinden in Nigeria, Kenia, Äthiopien, Ghana, Nepal und Thailand ist das Verbrennen im Freien als gängige Praxis in den Haushalten dokumentiert und in den ländlichen Gebieten Thailands wird sogar mehr als die Hälfte des gesamten Hausmülls verbrannt.

Das geschieht auch an Orten, an denen wir es nicht erwarten würden. Offene Verbrennungen wurde in Ungarn, Südkorea und den Vereinigten Staaten dokumentiert, was daran erinnert, dass dies nicht ein Problem der Entwicklungsländer ist. Tatsächlich haben auch die reichsten Länder der Welt dieses Problem nicht gelöst – sie haben es grösstenteils exportiert.
Einkommensstarke Länder wie Deutschland, Grossbritannien, die Niederlande, Frankreich, die USA, Japan und Australien verschiffen seit Jahren Plastikmüll ins Ausland unter dem Vorwand, dass er dort recycelt werde. Im Jahr 2023 war Deutschland mit über 693’000 Tonnen der weltweite grösste Exporteur von Plastikabfall, dicht gefolgt von Grossbritannien mit rund 615’000 Tonnen. Ein Grossteil dieser Abfälle landet in Ländern, denen die Infrastruktur für eine sichere Verarbeitung fehlt, wo sie auf Haushaltsebene und in den Gemeinden deponiert oder verbrannt werden. Die Durchsetzung von Vorschriften bleibt ein grosses Problem, da viele Abfallexporteure die unzureichende Überwachung und die mangelhaften Grenzkontrollen ausnutzen. Die Länder, die am meisten Plastik produzieren, haben das geringste Interesse daran, sich damit zu befassen, wo es letztendlich landet.

 

Was passiert, wenn Abfall verbrannt wird?

Bildnachweis: Abhinay Tharu/Unsplash

Abfälle zu verbrennen bedeutet nicht, dass sie verschwinden. Es macht sie lediglich weniger sichtbar und „aus den Augen“ ist nicht dasselbe wie „weg“.

Durch die Verbrennung von Abfall, insbesondere von Kunststoff, gelangt eine giftige Mischung aus Schadstoffen über die Asche in die Luft und dann in den Boden: Schwermetalle, Styrolgas, Dioxine und Furane – Chemikalien, die noch lange nach dem Erlöschen des Feuers im Körper und in der Umwelt verbleiben. Eine 2014 in „Environmental Science & Technology“ veröffentlichte Studie ergab, dass die offene Verbrennung von Hausmüll weltweit eine der grössten Quellen für bestimmte gefährliche Luftschadstoffe, darunter polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Feinstaub, ist.

Dieser letzte Punkt verdient besondere Beachtung. Feinstaubpartikel, bekann als PM2.5, sind so klein, dass sie die Nase und den Rachen passieren und tief in die Lunge und den Blutkreislauf gelangen können. Die WHO stuft die Luftverschmutzung im Freien, zu der offene Verbrennung erheblich beiträgt, als eine der weltweit führenden umweltbedingten Todesursachen ein, die jährlich für rund 3,2 Millionen vorzeitige Todesfälle verantwortlich sind.

 

Die gesundheitliche Auswirkung in Zahlen

Die Gesundheitsdaten zum Thema offenes Verbrennen sind schwer zu deuten, aber noch schwerer zu ignorieren.

Einer Studie zufolge ist die offene Verbrennung von Abfällen weltweit für schätzungsweise 270’000 bis 920’000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Ausserdem ist das Verbrennen von Kunststoffen im Freien mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen und neurologischen Störungen verbunden, während Emissionen wie Dioxine mit Hautveränderungen, Krebs, Immunstörungen und Geburtsfehlern in Verbindung gebracht werden.

Leider verteilt sich diese Belastung nicht gleichmässig. Ältere Menschen, Schwangere und Kinder gehören zu den am stärksten gefährdeten Gruppen. Das Gleiche gilt für die Menschen, die die Feuer bewachen und die Nachbarn*innen, die in Windrichtung wohnen. Schäden entstehen auch über die Nahrungskette: Wenn sich Giftstoffe aus Verbrennungsprozessen im Boden und im Wasser ablagern, gelangen sie in lokal angebaute Lebensmittel und in den Körper von Menschen, die sich noch nie in der Nähe eines Müllverbrennungs-Feuers aufgehalten haben.

Die Belastung sieht nicht dramatisch aus, aber sie tritt immer wieder auf

Es handelt sich hierbei nicht um gross angelegte Verbrennungsprozesse, wie man sie aus Fabriken oder industriellen Verbrennungsanlagen kennt. Es gibt keinen hoch aufragenden Schornstein, kein Warnschild, kein offensichtliches Anzeichen dafür, dass etwas Schädliches vor sich geht. Es gibt nur kleine Feuer, die in unmittelbarer Nähe der Orte brennen, an denen Menschen schlafen, essen und spielen – jeden Tag.

Diese Lücke ist nicht einfach nur eine Frage fehlender Müllabfuhr oder unterfinanzierter Kommunalverwaltungen. Sie ist das direkte Ergebnis eines Produktionssystems, das immer mehr Plastik herstellt, als die Welt verkraften kann und dessen Folgen sich auf jene Orte konzentrieren, die am wenigsten in der Lage sind, sich dagegen zu wehren. Weltweit haben mindestens zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu Abfallsammlung oder -entsorgung. Für diese Gemeinschaften ist das Verbrennen keine Wahl. Es ist ein Vermächtnis.

Das Verpackungsproblem verschlimmert die Lage noch. Während des grössten Teils der Menschheitsgeschichte bestand kein Bedarf an einer gross angelegten Müllabfuhr. Der Grossteil des Abfalls war organischer Natur und was wiederverwendet werden konnte, wurde auch wiederverwendet. Doch Einwegverpackungen aus Kunststoff überschwemmten die Märkte weitaus schneller, als die Infrastruktur damit Schritt halten könnte, vor allem auf Inseln und ländlichen Gebieten, wo der Aufbau von Abfallsystemen kostspielig und deren Unterhalt noch teurer ist. Das weltweite Aufkommen von Siedlungsabfällen wird voraussichtlich von 2.3 Milliarden Tonnen im Jahr 2023 auf 3.8 Milliarden Tonnen bis zum Jahr 2050 ansteigen, wobei dieser Anstieg fast ausschliesslich darauf zurückzuführen ist, dass Verpackungen und Einwegartikel an Orten landen, an denen es keine entsprechende Entsorgungssysteme gibt.

Und die Unternehmen, die diese Verpackungen herstellen? Sie wissen schon seit langem um das Problem, das sie verursachen, doch die Last, sich damit auseinanderzusetzen, wurde immer wieder weitergereicht – zuerst an öffentliche Stellen, dann an die Haushalte: Kümmert euch selbst darum, findet einen Weg, es verschwinden zu lassen.


Was im Moment helfen kann

Es gibt kleine Massnahmen, mit denen sich die Schäden verringern lassen, während das Gesamtsystem erst einmal in Ordnung gebracht wird. Durch die Trennung von organischen Abfällen zur Kompostierung und den vollständigen Verzicht auf die Verbrennung von Plastik lässt sich die Belastung durch Dioxine, Furane und Schwermetalle deutlich senken.

Das ist zwar keine vollständige Lösung, aber besser als nichts. Die Reduzierung der giftigsten Emissionen ist ein kleiner, aber konkreter Beitrag zur Bekämpfung der Schäden, auch wenn damit das System, das sie verursacht, nicht beseitigt werden kann. Für jemanden, der vor einem Müllberg steht, ohne dass er einen Mülleimer hat, den er füllen könnte und ohne dass Müllwagen kommen, ist es gut zu wissen.

 

Das Gesamtbild

Menschen, die Müll verbrennen, entscheiden sich nicht bewusst für Umweltverschmutzung. Sie wollen ihren Nachbarn, ihren Kindern oder sich selbst keinen Schaden zufügen. Sie sind in einem System gefangen, das nie für sie gedacht war, einem System, das mit billigen Plastikverpackungen überschwemmt wurde, ohne dass deren Sicherheit oder die dafür erforderliche Infrastruktur berücksichtigt wurden.

Abfälle sollten nicht erst an der Verbrennungsstelle entsorgt werden. Sie sollten bereits bei der Planung vermieden werden. Bessere Sammelsysteme können zwar die unmittelbaren Schäden mindern, sind jedoch nur eine vorübergehende Lösung für ein dauerhaftes Problem. Die einzig wirkliche Lösung besteht darin, von vornherein weniger Plastik herzustellen und die Hersteller für jedes einzelne Stück, das sie auf den Markt bringen, zur Verantwortung zu ziehen.

Solange sich Produkte und Systeme nicht ändern, wird die Last weiterhin auf diejenigen abgewälzt, die am wenigsten Auswahl haben – und sie tragen sie bereits lange genug.

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FayrouzWenn das System versagt, bricht Feuer aus

Die Plastikkrise ist auch eine Gesundheitskrise für Frauen

by Fayrouz on 14. April 2026 No comments

Wir sprechen oft von Plastikverschmutzung, als handle es sich dabei lediglich um ein Umweltproblem oder um ein Abfallproblem, etwas das erst am Ende der Lebensdauer eines Produkts eine Rolle spielt. Nicht gesammelter oder schlecht entsorgter Abfall verschmutzt Luft, Boden und Wasserquellen. Plastikmüll, ob klein oder gross, findet sich in den Körpern von Meeresschildkröten und verschiedenen Meerestieren. Im Kern sind all dies reale und dringende Probleme, doch manchmal vergessen wir, dass es noch eine andere Geschichte gibt, die uns viel näher ist als andere Plastikprobleme: das Problem des Abfalls, der still und leise in unseren Körpern schlummert.

Jeden Tag ist unser Körper Zehntausenden von Petrochemikalien ausgesetzt – synthetische Chemikalien, die aus Erdöl und Erdgas gewonnen werden und zur Herstellung von Kunststoffen, Verpackungen, Kosmetika, Reinigungsmitteln und vielem mehr verwendet werden. Wir kommen mit ihnen über die Produkte, die wir verwenden, die Lebensmittel, die wir essen und die Luft, die wir atmen, in Kontakt. Das gilt für alle, doch leider sind die Auswirkungen nicht für alle gleich.

Tatsache ist, dass der weibliche Körper diese Chemikalien anders verarbeitet. Frauen haben in der Regel eine dünnere Haut, sodass Chemikalien aus Produkten, die mit ihrer Haut in Kontakt kommen, leichter aufgenommen werden. Frauen haben zudem einen höheren Körperfettanteil, sodass mehr fettlösliche Kunststoffchemikalien wie Phtalate und BPA letztendlich in ihren Körpern aufgenommen und dort gespeichert werden. Frauen sind durchschnittlich kleiner, was dazu führt, dass die Konzentration dieser Chemikalien höher ist. Ein langsamerer Stoffwechsel bedeutet, dass der weibliche Körper länger braucht, um sie auszuscheiden.

Diese Fakten sind nicht bloss biologische Randnotizen, die wir ignorieren können, weil sie zu banal klingen. Sie müssen unsere Sichtweise darauf verändern, wer die wahren Kosten der Plastikkrise trägt.

 

Der Körper speichert alles, was wir erleben

Plastik enthält zahlreiche hormonaktive Chemikalien – Substanzen, die unseren Hormonhaushalt stören. Für Frauen, deren Gesundheit ihr ganzes Leben lang so eng mit dem Hormonhaushalt verbunden ist, kann diese Störung schwerwiegende Folgen haben.

Während der Pubertät, der Schwangerschaft und in der Perimenopause befindet sich der weibliche Körper in einem Umbruch, was bedeutet, dass selbst die geringste Belastung durch Schadstoffe in diesen entscheidenen Phasen nicht nur das Risiko erhöht, sondern auch deren Auswirkungen verstärkt. Diese Chemikalien stehen im Zusammenhang mit Fruchtbarkeitsproblemen, bestimmten Krebsarten und Diabetes. Letztendlich können sie eine vorzeitige Menopause auslösen und Symptome wie Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen verschlimmern.

Leider beschränkt sich diese Auswirkung nicht auf eine Generation. Frauen geben während der Schwangerschaft und Stillzeit unwissendlich Giftstoffe aus ihrem Körper an ihre Kinder weiter: Eine Zeit, an die sich Frauen ihr Leben lang erinnern, wird so zu einer stillen Weitergabe von Giftstoffen, noch bevor die Babys ausserhalb des Mutterleibs Luft atmen.

 

Das eigene Zuhause ist kein sicherer Ort mehr

Durch traditionelle Rollenverteilung im Haushalt kommen Frauen häufiger und intensiver mit Chemikalien in Kontakt, die in verschiedenen Haushaltsartikeln enthalten sind, wie beispielsweise Reinigungsmitteln, Verpackungen und Handschuhen aus synthetischem Gummi, die ironischerweise als „Schutz“ verkauft werden, aber tatsächlich eine Belastung darstellen.

Plastikchemikalien werden in Produktformeln verwendet, um Duft, Farbe, Textur und eine längere Haltbarkeit zu erzielen und werden selten auf ihre Sicherheit geprüft, bevor sie in unseren Händen landen.

Dann ist da noch die Kosmetikbranche. Der Marketingdruck richtet sich gezielt an Frauen und drängt sie unaufhörlich dazu, Kosmetika, Körperpflegeprodukte, Parfüms und Hygieneartikel zu kaufen, die fast alle petrochemische Stoffe enthalten und in Plastik verpackt sind. Selbst die grundlegendsten Hygieneartikel bleiben von dieser Gefahr nicht verschont: Die meisten Damenbinden und Tampons, die für die breite Öffentlichkeit erschwinglich und leicht erhältlich sind, enthalten Plastik, das für den Körper schädlich ist.

In Kunststoffen wurden mehr als 16’000 Chemikalien nachgewiesen, und die meisten dieser Stoffe wurden noch nie auf ihre Sicherheit bei direkter und indirekter Exposition für Menschen – insbesondere für Frauen – geprüft. Von diesen gelten bereits ein Viertel als gefährlich, doch nur 6 % unterliegen einer Regulierung. Der Rest? Niemand kontrolliert das.

Da es keine strengen Vorschriften und keine klare Kennzeichnung der Inhaltsstoffe auf Produkten und Verpackungen gibt, haben Frauen keine Möglichkeit, die mit ihren täglichen Routinen verbunden Risiken zu erkennen oder zu verstehen.

 

Die gesundheitlichen Kosten des Broterwerbs

Bildnachweis: Mumtahina Tanni

Frauen sind in der Überzahl Beschäftige in Branchen mit hoher chemischer Belastung: Reinigungsgewerbe, Abfallwirtschaft, Textilindustrie und Landwirtschaft. Viele dieser Tätigkeiten fallen in den informellen Sektor, was bedeutet, dass es keine Vorschriften gibt, die die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigen gewähleisten.

Diese Jobs werden meistens ohne angemessene persönliche Schutzausrüstung ausgeübt, fallen nicht unter den Arbeitsschutz, bieten keinen Anspruch auf Krankengeld und es fehlen Informationen über die Risiken, denen die Beschäftigten ausgesetzt sind oder sein werden. Lange Arbeitszeiten bedeuten eine ständige und intensive Belastung durch verschiedene Giftstoffe. Da diese Tätigkeiten zudem meist schlecht bezahlt sind, haben die Beschäftigten kaum Möglichkeiten, die Situation zu ändern.

Weltweit sind die meisten Müllsammler*innen, die auf offenen Mülldeponien arbeiten, Frauen. Die WECF berichtet, dass viele von ihnen das 30. Lebensjahr nicht überschreitet; und das ist keine Statistik aus längst vergangenen Zeit: das geschieht auch heute noch.

 

Dasselbe Plastik, unterschiedliche Auswirkungen

Bildnachweis: MART Production

Die Plastikkrise macht keine Unterschiede, wen sie betrifft, doch leider ist sie sehr selektiv darin, wie hart sie zuschlägt.

Frauen sind einer unverhältnismässig hohen chemischen Belastung ausgesetzt – durch ihre biologischen Körperfunktionen, ihre Rolle im Haushalt, die Arbeitsbedingungen, denen sie ausgesetzt sind und die überflüssigen Produkte, von denen ihnen eingeredet wird, dass sie sie brauchen. Trotz dieser zahlreichen negativen Auswirkungen werden Frauen nach wie vor viel zu selten in die Diskussionen einbezogen, in denen entschieden wird, was produziert, was reguliert und was gekeinnzeichnet wird.

Um dies zu ändern, brauchen wir mehr rechtlichen Schutz für Arbeitnehmende in Risikoberufen. Wir brauchen eine ehrliche Produktkennzeichnung. Wir brauchen Gesundheits- und Sicherheitsstandards, die auch im informellen Sektor gelten. Und wir brauchen mehr Frauen in den Gremien, in denen Entscheidungen und Vorschriften zu Chemikalien und zur Produktion getroffen werden.

Die Plastikkrise ist eine Krise für die Gesundheit von Frauen – das war schon immer so. Die Frage ist nur: Wie lange wollen wir noch so tun, als wäre das nicht der Fall?

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FayrouzDie Plastikkrise ist auch eine Gesundheitskrise für Frauen