Zum Internationalen Frauentag stellen wir fünf Freiwillige in den Mittelpunkt, die die Art und Weise verändern, wie ihre Gemeinschaften über Abfall denken.
Vom Klassenzimmer in Indonesien über Restaurants in Thailand und Insel-Cleanups in Malaysia bis zur Buchhandlung in der Schweiz – diese Frauen warten nicht auf Erlaubnis oder den perfekten Moment, um zu handeln. Sie kompostieren, richten Nachfüllsysteme ein, hinterfragen Verpackungsnormen, verwandeln Küchenabfälle in neue Produkte und setzen Mülltrennung dort um, wo es sie zuvor nicht gab. Gleichzeitig inspirieren sie andere, das scheinbar „Normale“ neu zu überdenken.
Ihre Geschichten beweisen, dass Zero Waste kein abstraktes Ideal ist, sondern etwas, das bereits durch alltägliche, praktische Entscheidungen umgesetzt wird.
Ining, Trash Hero Yogyakarta, Indonesien
Als Ining ein Kind war, konnte sie den Plastikmüll, den sie am Strassenrand sah, nicht ignorieren. Auf dem Heimweg von der Schule hob sie ihn auf und trug ihn nach Hause, um ihn da wegzuwerfen. Niemand hatte sie darum gebeten, aber für sie fühlte es sich falsch an, daran vorbeizugehen.
Dieser Instinkt blieb ihr erhalten. Als sie älter wurde, entwickelte sie ein stärkeres Bewusstsein für ihren eigenen Konsum. Sie begann, nur noch das zu kaufen, was sie wirklich brauchte, verzichtete auf Einwegplastik und ignorierte Modetrends. 2017 nahm ihre Schule gemeinsam mit Trash Hero am Clean Up Jakarta Day teil. Dort lerne sie unsere Freiwillige Amelia kennen und beschloss, sich zu engagieren.
Heute unterrichtet Ining Naturwissenschaften an einer Montessori-Mittelschule in Yogyakarta und sie integriert Umweltaktivitäten bei jeder Gelegenheit in den Schulalltag. Sie hat dazu beigetragen, ein Wasserauffüllsystem einzuführen, die Schüler*innen dazu ermutigt, wiederverwendbare Flaschen und Brotdosen mitzubringen, Ausflüge zum Pflanzen von Bäumen und Mangroven organisiert und die Einrichtung einer Zero Waste Kantine unterstützt. Ausserhalb der Schule nimmt sie regelmässig an Cleanups teil, hält Vorträge bei Veranstaltungen in der Gemeinschaft und Hochschulen und leitet Workshops, in denen organische Abfälle wie Speiseöl, Kaffeesatz und Öko-Enzyme zu nützlichen Produkten wie Seife und Kerzen verarbeitet werden. Zu Hause kompostiert sie und nutzt die Erde für ihren Garten.
Der Weg dorthin war nicht einfach. Als die Schule erstmals ihre Zero Waste Richtlinien einführte, protestierten einige Eltern und Mitarbeiter, dass dies viel zu kompliziert sei. Zu Hause teilen nicht alle das gleiche Bewusstsein. Nachbarn empfinden ihr Kompostieren und die Zucht von Maden als „schmutzig“, obwohl die üblichen lokalen Abfallpraktiken darin bestehen, Abfall zu verbrennen oder in den Fluss zu werfen.
Für Ining ist diese Arbeit jedoch keine Belastung. „Freiwilligenarbeit ist keine Verpflichtung. Es ist meine Identität. Und vor allem macht es mich glücklich.”
Aleks, Trash Hero Liestal, Schweiz
Für Aleks begann alles mit einem Foto. Als sie 2011 in Montenegro Urlaub machte, wollte sie ein Foto an einem wunderschönen Strand machen, aber der Sand war mit angespültem Abfall übersät. Also räumte sie ihn weg. Das Überraschende daran war, dass ihr das Aufräumen des Strandes mehr Freude bereitete als das Fotografieren.
Von diesem Moment an entwickelte sie die einfache Gewohnheit, überall, wo sie hinging, den Abfall aufzuheben, egal ob am Strand, in den Bergen oder in der Stadt. Aber diese Gewohnheit führte zu grösseren Fragen. Warum gibt es so viel Verpackungsmüll? Warum sind unverpackte Produkte selten und teuer? Warum sind Bio-Lebensmittel teuer, während mit Pestiziden belastete Lebensmittel billig sind? Wer profitiert von diesem System?
Diese Fragen veranlassten sie schliesslich dazu, 2024 ein Trash Hero Chapter in Liestal zu gründen. Ihr Ziel war es nicht nur aufzuräumen, sondern auch andere zu inspirieren und das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Veränderungen zu schärfen. Seitdem haben sich viele Menschen angeschlossen und lokale Unternehmen haben angeboten, Hilfsmittel, Materialien und sogar Schaufensterflächen zur Verfügung zu stellen, um die Botschaft zu verbreiten.
Sie hat etwas Bemerkenswertes festgestellt: eine auffallend grosse Zahl von Frauen engagiert sich sowohl als aktive Teilnehmerinnen als auch als Unterstützerinnen. Ihr Engagement spiegelt ein starkes Verantwortungsbewusstsein für die Gesundheit ihrer Gesellschaft und Umwelt wider.
„Jeder noch so kleine Beitrag macht einen Unterschied“ ist das Motto von Aleks. Veränderung kann mit einem einzigen Stück Müll beginnen und sich zu einer Infragestellung der Systeme ausweiten, die ihn verursacht haben.
Zurainee, Trash Hero Kota Kinabalu, Malaysia
Zurainee wuchs an der Küste von Kota Kinabalu, Sabah, Malaysia auf. Als Kind war der Strand ihr Spielplatz. Im Laufe der Jahre beobachtete sie, wie er sich veränderte. Was einst sauber und unberührt war, wurde langsam mit Müll übersät.
„Es ist herzzerreissend, zu sehen, wie sich die Umweltverschmutzung in unsere Umwelt eingeschlichen hat.“
Ein viraler Beitrag in den sozialen Medien inspirierte sie zum Handeln. Es handelte sich dabei nicht um eine Kampagne oder eine Rede, sondern um ein Video eines Mannes, der beim Aufsammeln von Müll gefilmt worden war, ohne zu wissen, dass er aufgenommen wurde. Seine stille Aufrichtigkeit bewegte sie zutiefst. Wenn er versucht, Dinge zu verändern, ohne Anerkennung zu erwarten, dann kann sie das auch.
Sie trat einem lokalen Trash Hero Chapter bei und leitet dieses nun. Ihre Beachcleanups spiegeln einfache Werte wider und sind naturverbunden. Die Freiwilligen verwenden Stoffhandschuhe und wiederverwendbare Jutesäcke anstelle von Einwegmaterialien, um keine neuen Abfälle zu verursachen. Erfrischungen werden im Zero Waste-Stil serviert – Wasser zum Nachfüllen, Essen auf Bananenblättern. Sie hat diesen Ansatz mit anderen lokalen Organisationen geteilt, damit diese ihn bei ihren eigenen Veranstaltungen anwenden können.
Zu Hause trennt Zurainee organische Abfälle und kompostiert sie. Gebrauchtes Speiseöl und Aluminiumdosen werden zum Recycling gebracht. Ihre Familie verwendet wiederverwendbare Flaschen und vermeidet Einwegplastik. Sie kaufen lieber gebrauchte Kleidung als neue.
Im Laufe der Jahre hat sie beobachtet, wie das Bewusstsein gewachsen ist und Freund*innen und Nachbar*innen umweltfreundlichere Gewohnheiten angenommen haben. Ihre Botschaft an Frauen ist klar: Perfektion ist nicht das Ziel. „Bei Zero Waste geht es um kleine, bewusste Entscheidung im Alltag. Was wir praktizieren, sehen unsere Kinder und was wir wertschätzen, übernehmen unsere Familien.“
Resa, Trash Hero Ende, Indonesien
Die Umweltkarriere von Resa begann während ihres Studiums bei einem Praktikum in einer Stiftung für ökologischen Landbau in Bogor, Indonesien. Dort lernte sie, was es bedeutet, wenn Menschen im Einklang mit der Natur leben – nicht indem sie sie beherrschen, sondern indem sie mit ihr zusammenarbeiten.
Als sie Jahre später den Raja City Beach besuchte, war sie überrascht, wie sauber er war. Sie erfuhr, dass Trash Hero Ende dort kürzlich einen Cleanup organisiert hatte. Das bewegte sie, denn sie spürte den Schweiss, die Anstrengung und das Engagement, das dahintersteckt. Im September 2019 nahm sie an ihrem ersten Cleanup teil und ist seitdem als aktive Freiwillige dabei.
In ihrem Alltag arbeitet Resa im Bereich Monitoring und Evaluation für eine humanitäre NGO. Ausserhalb ihrer Arbeit konzentriert sie sich darauf, Einwegplastik zu Hause und in ihrer Gemeinschaft zu reduzieren. Derzeit gründet sie ein Unternehmen für nachfüllbare Wasch- und Spülmittel, um das Problem der Verpackungsabfälle anzugehen – eine der hartnäckigsten Formen der Plastikverschmutzung in Indonesien.
Das Konzept des Nachfüllens an sich ist nicht neu. Beispielweise kaufen Menschen traditionell fossile Brennstoffe, indem sie ihre eigenen Behälter zum Befüllen mitbringen. Nachfüllbare Reinigungsprodukte sind jedoch nicht weit verbreitet und Resa hat festgestellt, dass Gewohnheiten und Denkweisen nur schwer zu ändern sind. Selbst auf dem Markt bestehen einige Verkäufer*innen immer noch darauf, ihr Plastikverpackungen zu geben, weil sie glauben, dass dies höflicher ist, anstatt sie ihre eigenen Taschen und Behälter verwenden zu lassen.
Aber sie gibt nicht auf. Sie weiss, dass Veränderungen Geduld erfordern. „Auch wenn ich mit meinem Beitrag nicht den gesamten Plastikabfall weltweit kontrollieren kann, so möchte ich alles tun, was ich kann, egal wie klein es auch sein mag.“
Roj, Trash Hero Koh Mak, Thailand
Rojs Bewusstsein für Abfall begann weit weg von der Heimat. Während eines Praktikums in einem Restaurant in Deutschland sah sie, wie Abfall sorgfältig in verschiedene Kategorien sortiert wurde – etwas, das in dieser Zeit in Thailand nicht üblich war. Diese Erfahrung hinterliess einen bleibenden Eindruck.
Später, als sie ihr eigenes Restaurant auf der Insel Koh Mak eröffnete, beschloss sie, von Anfang an eine ordnungsgemässe Mülltrennung einzuführen. Das Ergebnis war beeindruckend: nach der Trennung blieb nur noch sehr wenig für die öffentliche Müllabfuhr übrig.
Heute hat ihr Restaurant auch den Verbrauch von Einwegplastik deutlich reduziert. Plastikstrohhalme wurden durch Glasstrohhalme ersetzt. Anstelle von Wasserflaschen werden wiederbefüllbare Glasflaschen angeboten. Gebrauchtes Speiseöl wird zur Reinigungsseife verarbeitet. Limettenschalen und Küchenabfälle werden zu natürlichem Spülmittel.
Sie sind nicht ganz Zero Waste, beispielsweise stellen Takeaway-Verpackungen nach wie vor eine Herausforderung dar, aber Perfektion steht dem Fortschritt nicht im Weg. Das Leben auf einer kleinen Insel und in unmittelbarer Nähe zur Natur macht jede Entscheidung sichtbar. So hat Roj gelernt, das zu tun, was sie kann, jeden Gegenstand zu überdenken und ihn bewusster zu nutzen.
Es habe zwar einige Kosteneinsparungen gegeben, aber wichtiger sei das Gefühl des Stolzes. „Wir sind stolz darauf, ein Restaurant zu sein, das sich um die Umwelt kümmert. Unsere Mitarbeitenden und die Menschen um uns herum unterstützen uns dabei und das motiviert uns, uns weiter zu verbessern.“
Roj schloss sich 2018 Trash Hero Koh Mak an, nachdem sie erkannt hatte, wie wichtig es ist, die Insel sauber zu halten. Zunächst backte sie jede Woche Brownies für die Freiwilligen – heute leitet sie das Chapter.
Ihren Rat an andere, die ebenfalls Abfall reduzieren möchten, ist praxisnah: Fange klein an, eine Veränderung nach der anderen.
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Meistens A – Netzwerker*in
Meistens B – Organisator*in
Meistens C – Motivator*in
Meistens D – Teamgestalter*in












