Wir wissen, dass hochverarbeitete Lebensmittel nicht gut für uns sind. Fertiggerichte, verpackte Snacks und zuckerhaltige Getränke: Mehr als 75 Langzeitstudien bringen diese Lebensmittel mit einer langen Liste von Gesundheitsschäden in Verbindung, von Herzerkrankungen und Diabetes bis hin zu Krebs und psychischen Krankheiten. Eine ungesunde Ernährung, in denen hochverarbeitete Lebensmittel die Hauptrolle spielen, stehen im Zusammenhang mit jedem fünften Todesfall weltweit.
In derselben Verpackung verbirgt sich aber noch ein weiteres Problem, über das wir viel weniger sprechen. Eine aktuelle wissenschaftliche Studie drückt sich so aus: Hochverarbeitete Lebensmittel und Plastik befinden sich in einer „toxischen Beziehung“: Ein voneinander abhängiges Paar, das sowohl der Lebensmittel- als auch der petrochemischen Industrie enorme Gewinne einbringt, mit immer weiter wachsenden Kosten für unsere Gesundheit und den Planeten.
Warum die zwei Hand in Hand gehen
Günstig, leicht und unendlich vielseitig: Plastik macht hochverarbeitete Lebensmittel erst möglich. Plastik verpackt, konserviert und trägt das auffällige Markendesign, durch das sich die Lebensmittel so gut verkaufen. Es ermöglicht Hersteller*Innen, Lieferketten über die ganze Welt auszudehnen, die Haltbarkeit von Produkten zu verlängern und alles zu einem sehr günstigen Preis. Etwa 83 % der sogenannten weichen und fast die Hälfte aller starren Lebensmittelverpackungen bestehen aus Plastik, und in der Regel sind es hoch verarbeitete Produkte, die darin eingepackt sind.
Aber die Verbindung ist tiefergehend als nur Bequemlichkeit, die zwei Industrien brauchen sich gegenseitig.
Hochverarbeitete Lebensmittel erwirtschaften enorme und verlässliche Gewinne für Lebensmittelkonzerne: Sie werden aus kostengünstigen und oft süchtig machenden Zutaten hergestellt, in kleinen Portionen und so global wie möglich verkauft. Dieses Geschäftsmodell funktioniert überhaupt nur durch billiges Plastik.
Gleichzeitig braucht die Petrochemie einen neuen Markt: Während Energie- und Transportsektor weltweit auf erneuerbare Energien umsteigen, bieten hochverarbeitete Lebensmittel einen gigantischen wachsenden Markt für Plastik. So entsteht eine gewinnbringende Partnerschaft auf Kosten von Umwelt und Gesundheit, an der beide Industriezweige festhalten wollen.

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Was ist das Problem mit Verpackungen?

Dieser enge Kontakt von Verpackung und Plastik hat seinen Preis. Plastik enthält mehr als 16’000 Chemikalien, von denen mindestens ein Viertel als gefährlich bekannt ist, wie zum Beispiel BPA, Phthalate und PFAS, sogenannte „Ewigkeitschemikalien“, während ein Grossteil noch ungeprüft ist. Ausserdem geben diese Chemikalien durch einfache Reibung oder Hitze Mikro- und Nanoplastik in die Umwelt ab.
Die in Plastikverpackungen enthaltenen Chemikalien wandern durch simplen Kontakt mit dem Lebensmittel in diese hinein.
Diese Wanderung passiert am effizientesten unter genau den Bedingungen, die hochverarbeitete Lebensmittel ausmachen: lange Lagerzeiten, kleine Packungsgrössen, Kontakt mit öligen oder säurehaltigen Inhalten oder bei Lebensmitteln, die direkt in der Verpackung erhitzt werden.
Das kannst du auch in den Lebensmitteln selbst beobachten. In einer Studie der Ocean Conservancy und der Universität von Toronto aus dem Jahr 2024, fanden sich in 90 % von 16 gängigen Proteinprodukten Mikroplastik. Je stärker die Produkte verarbeitet waren, desto höhere Mengen Mikroplastik wurden gefunden. Hähnchen-Nuggets beispielsweise enthielten etwa 30-mal mehr Mikroplastikpartikel pro Gramm als unbehandelte Hähnchenbrust.
Und Hitze verschlimmert die Situation: Die Chemikalien und Plastik-Partikel gehen bei höheren Temperaturen leichter in Lebensmittel über – ein weiterer Grund, heisse Speisen nicht in Plastik zu verpacken, zu erwärmen oder zu servieren.
Hochverarbeitete Lebensmittel haben bereits durch hohe Kalorien, ihren geringen Nährwert und die enthaltenden künstlichen Zusatzstoffe keinen besonders guten Ruf. Und nun kommen auch noch Gesundheitsbelastungen durch Plastikchemikalien zu der Liste hinzu.
Was wir noch nicht wissen
Es ist wissenschaftlich belegt, dass Mikroplastik und Plastikchemikalien in unsere Nahrung gelangen. Aber es ist noch nicht gänzlich geklärt, welchen Effekt Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit hat. Die Belege für die gesundheitlichen Auswirkungen sind „noch nicht abschliessend“. Tierstudien weisen zwar stark auf mögliche Risiken für Verdauung, Fortpflanzung und Atemwegs- sowie Hormonstörungen und Krebs hin. Bei Studien am Menschen gibt es bisher Einschränkungen, einerseits durch die Komplexität der Chemikalien und ihrer Wechselwirkungen selbst, sowie im Bezug auf ethische Fragen bei Tests und begrenzter Fördermittel. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), das offizielle Lebensmittelkontrollorgan der EU, gab bekannt, dass sie noch keine festen Schlussfolgerungen ziehen kann und eine vollständige Risikobewertung erst für Ende 2027 erwartet wird. Wir haben also noch keinen gesicherten Beweis wegen unseres Abendessens in Panik zu verfallen, aber wir sollten dennoch darauf achten, was auf unseren Tellern landet.
Die unverpackte Alternative
Lebensmittel, die am wenigsten Plastik mit sich bringen, sind tendenziell ohnehin die besseren für unsere Gesundheit: frische, naturbelassene, minimal verpackte Zutaten, die wir selbst zubereiten.
Und nichts davon erfordert einen Spezialeinkauf oder einen grossen Geldbeutel: Kaufe soviel es geht unverpacktes Obst und Gemüse und erhitze Lebensmittel niemals in Plastik. Bewahre Essensreste in Glas-, Stahl- oder Keramikbehältern statt in Plastikdosen auf. Jede dieser kleinen Entscheidungen verringert deine Belastung durch Mikroplastik sowie Verpackungschemikalien und macht dadurch deine Ernährung insgesamt gesünder.
Traditionelle Ernährung, die auf unverpackten, lokalen und naturbelassenen Lebensmitteln basiert, hat schon lange vor der Erfindung des Begriffs „hochverarbeitet“ etwas richtig gemacht haben. Weniger Plastik rein, weniger Plastik raus.

Die echte Lösung: An der Quelle ansetzen
Individuelle Entscheidungen helfen und sind ein wichtiger Schritt. Doch wie die Studie zur „toxischen Beziehung“ deutlich macht, haben Verbraucher*Innen nicht die Macht, ein Problem dieser Grössenordnung allein zu lösen. Diese Verantwortung liegt bei politischen Entscheidungsgremien.
Die langfristige Lösung muss das industrialisierte System, das Lebensmittel und Plastik so stark miteinander verbindet, aufbrechen. Wir brauchen einen Wandel zurück zu frischen, naturbelassenen und minimal verarbeiteten Lebensmitteln, kürzere Lieferketten, die weniger Verpackung benötigen; wir brauchen mehr Wiederverwendungs- und Nachfüllsysteme anstelle von Einwegverpackungen; und wir müssen Konzerne zur Rechenschaft ziehen für die wahren Kosten ihrer Produkte, und sie nicht unserer Gesundheit und der Umwelt aufbürden.
Wir brauchen ein starkes Globales Plastikabkommen (Global Plastics Treaty), das die Plastikproduktion an der Quelle begrenzt und einen Ansatz verfolgt, das den gesamten Plastik-Lebenszyklus berücksichtigt, zusammen mit ordnungsgemässen Prüfungen und Transparenz bezüglich der Chemikalien, die in die Nähe unserer Lebensmittel gelassen werden. Die EU hat gezeigt, dass Regulierung funktionieren kann. Sie hat bewusst zugesetztes Mikroplastik in Produkten und Ewigkeitschemikalien in Materialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, eingeschränkt.
Eine gesunde Ernährung für sich selbst und die Plastikverschmutzung des Planeten sind ein- und derselbe Kampf: für unsere Gesundheit und die Gesundheit unseres Planeten.
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Yates, J., Kadiyala, S., Deeney, M., Carriedo, A., Gillespie, S., Heindel, J.J., Maffini, M.V., Martin, O., Monteiro, C.A., Scheringer, M., Touvier, M., & Muncke, J. (2024). „A toxic relationship: ultra-processed foods & plastics.“ Globalization and Health, 20:74. https://doi.org/10.1186/s12992-024-01078-0
Baechler, B.R., Granek, E.F., Mazzotta, M., et al. (Ocean Conservancy & University of Toronto) (2024). „Microplastic concentrations in commonly consumed proteins.“ Environmental Pollution. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0269749123022352
European Food Safety Authority (EFSA). „Microplastics and nanoplastics in food.“ https://www.efsa.europa.eu/en/topics/microplastics-and-nanoplastics-food
European Commission. „Global action on plastics.“ https://environment.ec.europa.eu/topics/plastics/global-action-plastics_en
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